16.03.2020 Der erste Tag mit der Ausgangssperre

Der Hafen ist geschlossen

Es ist eine völlig neue Situation: Wir haben Ausgangssperre!

Heute Morgen habe ich mich auf den Weg zu dem kleinen Supermarkt im Ort gemacht. Das große Tor zum Hafen ist bis auf eine kleine Einfahrtmöglichkeit geschlossen. Es fahren noch einige Autos und auch Menschen sind auf der Straße, aber viel weniger als sonst. Eine für spanische Verhältnisse unheimliche Ruhe.

Auf dem Bürgersteig sind mehrere Männer damit beschäftigt, mit Wasserschläuchen und "Gartenunkrautvernichtungsspritzen" den Bürgersteig und die Abfallbehälter zu desinfizieren.

Eine Polizeistreife ruft mir aus dem Auto "Buenas" zu ich antworte mit "Buenas, Supermercado". Mehr gibt mein Spanisch nicht her. Sie fahren weiter. Wege zum Supermarkt und der Apotheke sind erlaubt. Allerdings soll man allein dorthin gehen.

Restaurants und Kneipen sind geschlossen, Tische und Stühle gestapelt. Spielplätze gesperrt.

 

Spielplatz geschlossen
Der Strand ist leer

Da wo sonst schon morgens reges Treiben ist - nichts!

Da schwimmt doch tatsächlich noch einer im Wasser, mal sehen wie lange. Vor dem kleinen Supermarkt sitzen einige auf der Bank, einige stehen davor. Es dürfen maximal 4 Personen im kleinen Laden einkaufen. Wenn einer rauskommt, darf der nächste rein.

Es sind 5 Leute vor mir und ich komme mit 2 Deutschen ins Gespräch. Sie erzählen, dass ihr Flug nach Hause in 14 Tagen geht, vorher geht es nicht, alle Flüge sind ausgebucht. Sie haben ein kleines Appartment und dürfen eigentlich nur auf den Balkon.

Das Angebot in dem kleinen Laden ist eigentlich wie immer. Beim Hiper Dino vor 3 Tagen haben wir viele leere Regale gesehen. In der Apotheke nebenan bekomme ich sogar noch Händedesinfektion, zwar nur selbstgemachte und nur 100 ml, aber immerhin.

Auf dem Rückweg läuft eine Joggerin an mir vorbei. Ein Auto mit Lautsprecherdurchsagen fährt vorbei und erklärt in mehreren Sprachen, dass alle zu Hause bleiben sollen, die Joggerin kehrt um.

Wir im Hafen nutzen die Sanitärräume (6 an der Zahl für den gesamten Hafen) gemeinsam, dass ist natürlich eine Gefährdung. Der Vorteil ist aber, dass wir die paar Schritte zu den besagten Räumen natürlich Bewegungsfreiheit haben.

Die Segler bereiten sich auf verschiedene Weise für einen längeren Aufenthalt vor. Da sieht man Leute den ganzen Tag Boot putzen, andere haben sich ein Fitnessgerät an einem Balken der verlassenen Kneipe angebracht.

20.03.20

Die Ausgangssperre hat sich "eingespielt". Wir Segler tauschen uns (natürlich mit ausreichend Abstand zwischen uns) über positive und negative Erlebnisse aus. Da Hotels und Pensionen schließen müssen, heißt es für viele Tausend Touristen in ihre Heimatländer zurückzukehren. Die Flugesellschaften sind wohl schwer telefonisch oder über die Website zu erreichen. Einige Segelkollegen wollen oder müssen nach Deutschland zurück, andere wie wir wollen bleiben. Die Berichte aus Deutschland sind auch nicht so, dass man sich dort sicher fühlen würde. Vor allen Dingen, wenn man Bilder von Menschenansammlungen z. B. in Parks sieht. Da gibt es noch zu viele, die die Situation noch nicht begriffen haben.

Bis Montag haben wir noch einen Mietwagen. Ein weiterer Vertrag, der ab Montag beginnen sollte, wurde uns gekündigt. Leihwagen dürfen bis Ende März nicht mehr neu vermietet werden.

Da alle touristischen Einrichtungen schließen müssen, ist meine Sorge, dass auch der Yachthafen geschlossen wird. Eine Anfrage ans Konsulat ergab keine neuen Erkenntnisse, nur das die Häfen geschlossen sind und niemand mehr hinein darf. Das wussten wir aber schon.

Mein Problem ist die fehlende Bewegung. Vor drei Tagen bin ich zu Fuß nach Tazacorte zum Einkaufen gelaufen. Das scheint nicht mehr erlaubt zu sein. Dafür kann man den Bus dorthin kostenlos nutzen.

Wenn man sich nicht an die Regeln der Ausgangssperre hält, kann man mit einer Anzeige rechnen. Zu zweit im Auto kostet wohl 300 Euro. Die Situation ist bedrückend, aber wenn es erfolgreich ist ...

22.03.2020

Ich habe mich irgendwie von denen, die einen Heimflug gebucht haben anstecken lassen und einen Rückflug in 14 Tagen gebucht. Ob der überhaupt stattfinden wird, weiß keiner. Ob wir auch fliegen, wenn er stattfindet, wissen wir noch nicht. Dann werden wir die Situation neu bewerten. Wir haben uns auf jeden Fall bei Elefand eingetragen.

Regenbogen

Gestern Abend hat der Wind aufgedreht und Schauerböen zogen über den Hafen. Da hat man endlich mal andere Prioritäten. Auch die Ausgangssperre stört nicht. Leider haben wir eine neue Stelle gefunden, an der Wasser in Boot kommt. Aber auch etwas Positives: Das Rigg wurde von den Resten des roten Wüstensandes gereinigt. Dafür haben wir jetzt lauter rote Rinnsale auf dem Deck.

23.03.2020

Der Wind ist weg und nur die Dünung ist noch etwas geblieben. Klaus hat in seinem Sternenkundebuch gelesen und nutzt den klaren Himmel um die Sterne und uns herum zu bestimmen.

Ich wollte eigentlich Astrofotografie ausprobieren, aber das geht aus den bekannten Umständen zurzeit nicht. Deshalb versuche ich es mit einem Foto mit Langzeitbelichtung (30 sec.) von Bord aus. Man sieht sehr deutlich, wir das Boot schaukelt.

24.03.2020

Mir persönlich macht es zu schaffen, sich nicht ordentlich bewegen zu können. Die gute halbe Stunde Fußweg nach Tazacorte zum Einkaufen hatte ich mir die letzen Tage "verkniffen". Einige Segler hatten davon gesprochen, dass man unterwegs kontrolliert und zurückgeschickt wird. Heute habe ich mit einem Seglerkollegen gesprochen, der "durchgekommen" ist.

Nachmittags mache ich mich auf den Weg und komme tatsächlich bis nach oben und kann im Supermarkt einkaufen. Glücklich mache ich mich auf den Rückweg.

Kurz hinter dem Supermarkt werde ich angehalten. Nachdem ich meinen Einkaufsbon vorgezeigt habe, wird mir erklärt, dass man diesen Supermarkt nur für einen Großeinkauf besuchen darf. Mein Argument, dass ich das nicht alles tragen kann gilt nicht. Man muss mit Auto oder Taxi kommen. Meine Frage, wie groß der Einkauf sein muss, wird nicht eindeutig erklärt, aber mein Personalausweis fotografiert.

25.03.2020

Meine Stimmung schwankt. Mal bin ich froh hier zu sein, mal wäre ich lieber zu Hause in Deutschland.

Immer mehr Segler verlassen ihr Boote und kehren in ihre Heimatländer zurück. Der Flug, den wir gebucht haben, erscheint nicht mehr im Internet. Ob er stattfindet?

Die Sanitärräume wurden kurz vor der Krise von Papiertüchern zum Hände trocknen auf diese fürchterlichen elektrischen Bakterienschleudern umgestellt. Jetzt hatte jemand ein Einsehen. Es liegen wieder Papiertücher dort und es gibt ein Reinigungsmittel, mit dem die Duschen nach Gebrauch gereinigt werden sollen. Außerdem sind die Überschwemmungen in den Räumen reduziert.

26.03.2020

Auf der anderen Hafenseite gibt es eine Baustelle. Heute wird dort Beton aufgebrochen. Eine nicht so schöne Begleitung für das das Frühstück im Cockpit.

Am Berghang wir auch gearbeitet. Gelegentlich kommt eine Lavine aus Staub und Steinen nach unten. Für mich ein Anlass die Kamera mit dem 500 mm Tele in Anschlag zu bringen.

Wenn man so im Cockpit sitzt und sich umschaut, sieht es im Hafen eigentlich aus wie immer. Nein nicht ganz: Einige versuchen zu den Sanitärräumen zu joggen und laufen vor den Räumen auf und ab. Es erinnert irgendwie an Riverdance und an die Aussage eines Kommikers, der meinte, dieser Tanz wäre in den irischen Pubs entstanden - beim Warten vor der besetzten Toilette.

Auf dem weg zum kleinen Supermarkt im Ort treffe ich immer mehr Menschen mit Mundschutz/Atemschutz, wo bei es sich mir nicht erschließt, warum Menschen, die allein im Auto sitzen, Atemschutz tragen..

 

27.03.2020

Die erste E-Mail die ich lese: ....müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Flug anulliert wurde ...

Na super - angeblich soll man umbuchen können - geht aber nicht. Es gibt keinen Direktflug nach Hamburg. Die andere Alternative ist ein Voucher. Wir bekommen einen Gutscheincode per E-Mail. Die nächste Möglichkeit, einen Flug zu buchen ist Anfang Mai. Wir melden uns zusätzlich auf der Condorliste "Fly Home" an. Mal sehen, was passiert.

Die Informationen aus Deuschland sind auch "durchwachsen". Die Freiheiten, die die Menschen dort haben, werden wohl in vielen Fällen nicht verantwortungsvoll genutzt.

Hier bewegen sich die Menschen wirklich mit einem großen Abstand aneinander vorbei. Vielleicht passiert das auch, weil viel kontrolliert wird. Auf meinem Weg zum kleinen Supermarkt im Ort fährt heute fünf Mal eine Polizeistreife an mir vorbei. Diesmal werde ich aber nicht angehalten. Der Platz davor wird gerade desinfiziert.

Mich erreicht ein Hilferuf eines Enkelkindes: Omi, kannst du mir bei den Hausaufgaben helfen? Ich helfe. Allerdings hoffe ich nicht, dass die meinen mich beschäftigen zu müssen - ich habe auch ohne Hausaufgabenhilfe gut zu tun.

Desinfektion des Platzes

28.03.2020

Gestern Abend erreicht uns eine E-Mail des auswärtigen Amtes. Wir hatten uns auf die Deutschenliste eingetragen und bekommen den Hinweis, dass am Sonntag der vorerst letzte Flug nach Deutschland geht. Es ist ein Flug von la Palma nach Frankfurt. Wir schauen uns die Details an: Der Flug ist noch buchbar, kommt aber sehr spät in Frankfurt an. Für uns keine Möglichkeit, noch am gleichen Tag nach Hamburg zu kommen.

Wir wägen ab - fliegen oder nicht, kommen aber zu dem Schluss, dass eine Ansteckung auf der Reise wahrscheinlicher ist, als wenn wir hier bleiben. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man zusätzlich zur Ausgangssperre auch noch weiß, das man in der der nächsten Zeit nicht mehr nach Hause kommen kann.

Bei unseren Nachbarn werden noch die letzten Arbeiten erledigt, um heute den letzten regulären Flieger nach Hamburg zu nehmen und das Boot vorraussichtlich für einige Monate allein zu lassen. Schließlich machen sie sich und eine weitere Crew an unserem Steg auf den Heimweg. Wir wünschen einander aller Gute und dass wir uns gesund wieder sehen.

Heute haben wir mal wieder schönes, sonniges und warmes Wetter. Wir sitzen im Cockpit und beobachten gegenüber plötzlich Hektik: Ein Segler fährt in den Hafen und macht am Schlengel bei der Tankstelle fest. Er wird von vier Polizisten in Empfang genommen, schließlich ist der Hafen ja geschlossen und keiner darf rein.

Als ich vom Einkaufen wieder komme, erfahre ich, dass der Segler nun draußen vor Anker liegt.

Kurz nach dem Mittag gibt es ein kleines Klarinettenkonzert von der Crew am Ende des Steges. Das Leben kann so schön sein ...

29.03.2020

Mit dem vorerst letzten Flieger verlassen drei deutsche Crews den Hafen und fliegen nach Frankfurt. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute und ein baldiges Wiedersehen.

Unser Wassertank  ist leer. Das heißt für uns erst einmal Boot putzen und dann den Tank füllen. Das Wetter ist sonnig und warm. Da macht es nichts aus, wenn man mal ein paar Wasserspritzer abbekommt.

Das Wasser im Hafen ist viel klarer geworden. Da die vielen kleinen Motorboote nicht bewegt werden dürfen, schwimmen keine Diesellachen mehr im Hafen. Ich entdecke viele neue Fischarten, die vorher nicht da waren oder einfach nur nicht im Wasser erkennbar.

Das Ruder unsere Windsteueranlage ist schon ziemlich bewachsen. Für die Fische ist es eine "grüne Wiese" auf der man (Fisch) grasen kann.

30.03.2020

Heute sollten eigentlich schon alle Unternehmen schließen, die keine essentiellen Aufgaben haben. Die Schließung wurde auf Morgen verschoben, damit die Unternehmen sich besser darauf einstellen können.

Tieflader brachten die Baumaschinen weg von der Baustelle am Hafen. Für uns bedeutet das noch mehr Ruhe. Ab Morgen wird es vermutlich auch auf den Straßen noch ruhiger werden. Es ist gespenstisch!

Auf meinem Weg zurück vom Supermarkt sieht El Hierro so nah aus und ist doch zurzeit unerreichbar für uns. Das Handyfoto ist leider nicht so schön geworden, aber ich traue mich nicht, mit meiner Kamera los zu gehen.

Abends spielt der Franzose an Steg 1 auf seiner Gitarre und trinkt gemeinsam mit seinem englischen Nachbarn Wein - jeder natürlich auf seinem Boot - CAPE DIEM.

31.03.2020

Heute Nacht hat es geregnet. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Klaus hatte gestern noch das Schapp mit den Gasflaschen ausgeräumt. Anscheinend ist die Dichtung nicht mehr in Ordnung, denn beim letzten Regen wurde es in der Pantry feucht und ein Teil der Deckenverkleidung hatte sich gelöst. Also mussten wir einige Dinge vor dem Regen retten. Und wenn man dann schon mal wach ist, kann man auch mit dem relativ wenig genutzen WLAN das Buch von der Bücherei runterladen. Das war mir im Laufe des Tages nicht gelungen - nun aber.

Beim Frühstück im Cockpit hören wir Happy-Birthday-Gesänge vor dem Office: Elsa hat Geburtstag. Ich gehe auch zum Gratulieren und werde mit einer kleinen Süßigkeit überrascht.

02.04.2020

Heute Morgen husche ich mal schnell zum Fotografieren nach draußen. Es ist nur die kleine Kamera, die in die Tasche passt. Bei dem großen Polizeiaufgebot am Hafen traue ich mich nicht, mehr Aufnahmen zu machen. Die Sonne ist gerade über den Berg gekommen und schafft es die Hafenmauern zu beleuchten.

Seid dem 1. April hat der kleine Supermarkt im Dorf neue Öffnungszeiten und schließt nun schon um 15:00 Uhr. Kein Problem für mich, ich gehe immer kurz vor dem Mittag einkaufen. Das Sortiment ist zwar überschaubar, wird aber immer wieder aufgefüllt - alles ist gut.

Morgensonne im Hafen von Puerto Tazacorte

05.04.2020

Von Freitag bis Samstag Mittag gab es immer wieder Regen. Gut für uns, dass das eher selten ist. Wir haben eine undichte Stelle direkt über der Pantry. Leider ist es immer schwierig, die Ursache heraus zu finden. Das Wasser sucht sich eigenartige Wege. Wir vermuten, dass die undichte Stelle am Fenster ist.

Auf jeden Fall ist die Ausgangssperre bei Regen nicht so schlimm.

Apropos Ausgangssperre: Sie wird bis zum 26.04. verlängert. Aber damit hatten wir schon gerechnet. Schön wäre es, wenn es danach möglich wäre, wenigstens spazieren zu gehen. Dann hätten wir jetzt "Bergfest". Drei Wochen Ausgangssperre liegen hinter uns und drei Wochen vor uns.

06.04.2020

Morgens stehen schon vier Polizeifahrzeuge am Hafen. Auf den Booten werden "lange Hälse" gemacht: Was geht denn da wieder los? Es kommen noch mehr Polizeifahrzeuge und alle stehen vor Steg vier.

Parallel dazu beginnt dazu im Fischreihafen und später auch im Yachthafen eine große Desinfektionsaktion.

Die Polizei verlässt den Yachthafen, ein Teil der Fahrzeuge platziert sich an der Straße vor dem Eingangsbereich. Ich werde aber nicht kontrolliert und kann einkaufen gehen.

Vor Steg vier steht jetzt ein Krankenwagen. Es spricht sich schnell herum: Es wurde ein Coronatest  durchgeführt. Jetzt "kocht die Gerüchteküche". Steg vier ist unter Quarantäne, die Sanitärräume sind geschlossen und der Hafen darf auch nicht mehr verlassen werden.

Die Sanitärräume kann man tatsächlich nicht benutzen, sie stehen nach der Desinfektionsaktion unter Wasser. Wir beschließen lieber heute statt wie geplant Morgen beim Dino einzukaufen - man weiß ja nie.

Klaus geht diesmal und kommt auch aus dem Hafen heraus und auch ohne Kontrolle wieder zurück. Unsere Lieferung kommt wenig später an.

Jetzt ist nur noch die Frage offen, wie der Coronatest ausgegangen ist.

09.04.2020

Großes aufatmen im Hafen, der Coronatest war negativ. Die Erleichterung ist allen anzusehen.

Hier gibt es die aktuellen Zahlen der Kanaren.

13.04.2020

Heute Morgen werden wir von "Presslufthammer BBBBernhard" geweckt. Ostermontag ist in Spanien ein Arbeitstag und heute dürfen einige Firmen wieder arbeiten. Das gilt auch für die Baustelle am Hafen.

So sind dann auch alle wach, als ein dänischer Segler im Hafen ablegt und zur Tankstelle fährt. Die Tankstelle war kurz davor selbst betankt worden. So ein 22 Meter langer Zweimaster benötigt wohl viel Diesel für den langen Weg nach Hause.

Ich wollte unbedingt ein Foto machen, wenn das Schiff durch den Vorhafen fährt. Leider kam auch in diesem Moment ein Polizeiauto in den Hafen. Da stand ich nun mit einer Mülltüte in der einen Hand und der kleinen Kamera in der anderen Hand vor der Mülltonne um schnell ein Foto zu schießen.

 

Zweimaster verlässt den Hafen

Gestern sind einige Segler aufgefordert worden, ihr Boot nicht zu verlassen. Auf Steg 6 lebt als einzige Crew eine Familie mit Kind auf einem 6,50 langen Boot. Die Kleine darf nicht mehr auf dem Steg spielen. Auch andere, die Gymnastik auf dem Steg gemacht hatten, bekamen einen Rüffel.

Aber es gibt auch Positives zu berichten: Karfreitag hatte ich mich wieder auf den Weg zum Supermarkt gemacht und musste leider feststellen, dass er nicht geöffnet hatte. Auf dem Weg zurück wurde ich von einer Polizeistreife angehalten. Auf mein betrübtes "Supermercado cerrado" stieg der Polizist aus und zeigte mir den Weg zu einem anderen, geöffneten Supermarkt - gracias!

18.04.2020

Nun haben wir schon mehr als einen Monat Ausgangssperre. Nicht nur, dass die Bewegung zu kurz kommt, es zerrt gelegentlich auch an den Nerven.

Anscheinend reagiert jeder anders darauf. Vor zwei Tagen dreht am Nachmittag ein eher als ruhig bekannter Franzose die Musik laut. Nicht irgendeine Musik, nein die französische Nationalhymne. Er stand dabei an Deck und sang laut mit und damit es auch jeder hört, insgesamt drei mal.

Wir beschäftigen uns nun seit drei Tagen mit unserer Trinkwasserversorgung an Bord. Die Frischwasserpumpe ist ausgefallen.

Im ersten Schritt musste erst einmal das Wasser aus dem Tank, um den Tank zu reinigen. Zwei kleine 12 Volt Tauchpumpen mühten sich ab, um 300 Liter Wasser aus dem Tank zu pumpen.

Unser Wassertank ist zweigeteilt und hat auch zwei Inspektionsöffnungen. Eine davon, die mit den Durchlässen der Wasserleitung, ist im untersten Fach unter der Spüle. (Gott sei Dank ist Klaus schlank und beweglich.)

Der erste Tag unserer Wasseraktion endete ohne den erhofften Erfolg. Die elektrische Pumpe wollte immer noch nicht pumpen. Nur die Fußpumpe funktionierte.

Der Frust des Tages war aber noch nicht zu Ende. Bei dem Versuch wieder an Bord zu steigen, riss der Trittfender. Ich stürzte ab, hielt mich an der Reeling fest, ein Bein im Wasser. Im Ergebnis - Gott sei Dank  - nur ein paar blaue Flecken.

Gestern und heute hatten wir immer mal wieder Erfolg. Nach dem Spülen der Pumpe lief sie einen Augenblick, aber das war leider nicht von Dauer.

Gestern lief Elsa über die Stege und erzählte freudestrahlend, dass sie einen Post eines Krankenhausarzte auf La Palma gelesen hatte, der schrieb, nach dem 26.04. wäre die Ausgangssperre vorbei. Wir müssten nur Mundschutz tragen. Ich habe dann mal in meine Glaskugel geschaut, konnte das aber nicht bestätigen. Aber ich nahm die Geschichte zum Anlass und wir haben endlich die Nähmaschine aus dem Vorschiff gekramt. Nun haben wir Mundschutzmasken, genäht aus einem alten Küchenhandtuch meiner Mutter.

23.04.2020

Vor zwei Tagen stand ich mit Klaus an der Bushaltestelle. Es war ein Gefühl von Abenteuerurlaub. Die Briten an unserem Steg waren in Tazacorte gewesen und erzählten, dass sie ohne Polizeikontrolle hin und zurück gekommen sind. (Beide gehen natürlich nicht gemeinsam sondern im Abstand von 5 Minuten hintereinander.) Das wollten wir jetzt auch, allerdings brav mit dem Bus, wenigstens eine Tour.

Der Bus kam mit Verspätung und ca. 8-10 Fahrgästen. Alle trugen Masken. Bezahlen muss man nicht für die Busfahrt, nur hinten einsteigen. Die Abstände zwischen den Fahrgästen werden dadurch sicher gestellt, dass einige Sitze gesperrt sind.

Da immer nur einer aus der Familie einkaufen gehen soll, hatte Klaus die Maske und ich habe mich mit einem Schal verkleidet. Sonst hätte man uns vielleicht wegen der Masken im "Partnerlook" erkannt.

Ich wollte zur Bank und Geld holen, Klaus zum Dino. So trennten wir uns. Vor der Bank eine lange Schlange und es ging auch nicht voran. So ging ich auch zum Dino, um Klaus zu unterstützen. Beim Dino wird jetzt am Eingang Fieber gemessen, bevor man Handschuhe bekommt und teilweise desinfiziert wird.

Die Dinge aus der Kühlung nehmen wir gleich mit, die anderen Einkäufe lassen wir liefern. Dann geht es zu Fuß nach Hause, natürlich mit Abstand hintereinander. Wir haben Glück, wir erreichen den Hafen ohne Kontrolle.

Gestern kam die E-Mail, dass unser Flug im Mai gestrichen wurde. Ich buche um auf einen Termin im Juni um. Die Wahrscheinlichkeit, das dieser Flug stattfindet ist auch nicht besonders groß. Ich verfolge natürlich die spanischen Nachrichten. Ersteinmal wurde der Alarmszustand bis zum 9. Mai verlängert. Nur Kinder bis 14 Jahren dürfen ab Sonntag nach draußen. Spazieren gehen für uns ist noch nicht erlaubt. Ich hoffe, dass wir uns ab 10. Mai etwas mehr bewegen dürfen.

Hier gibt es Infos zu Corona auf La Palma

Man muss sich an den kleinen Dingen freuen: Ich frage bei den Fischern, ob sie Fisch zu kaufen haben, und tatsächlich kann ich 3 Papageienfische erstehen. Wir geben einen an den Nachbarn ab und bereiten den Fisch auf dem Steg vor: Der Entschupper und die Fischschere kommen zum Einsatz. Denn die Fische sind natürlich noch nocht entschuppt und ausgenommen.

Zum Festessen gibt es auch noch einen schönen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang am Hafen

07.05.2020

Seit Samstag (02.05.20) dürfen wir 1 Stunde am Tag innerhalb des Ortes Tazacorte in einem Kilometer Radius spazieren gehen. Und das sogar mit einer 2. Person aus dem Haushalt. Außerdem darf man Sport treiben - allein.

An dem Tag vor der den großen Freiheiten, ging es in bei Überwachung aber noch einmal ordentlich zur Sache. Die Engländer von unserem Steg waren einkaufen (natürlich nicht zusammen sondern mit gehörigem Abstand). Sie wurden kontrolliert und mussten sogar ihre Rücksäcke vorzeigen.

Klaus und ich gingen natürlich wie die meisten gleich am ersten Tag spazieren. Wir sahen strahlende Gesichter. Allerdings lauerte uns ein Streifenwagen der Guardia Civil Traffic auf. Sie hielten uns den Plan vor, wer wann was am Tag machen darf. Auf unseren Hinweis dass Tazacorte weniger wie 5000 Einwohner hat (ganz knapp) ließen Sie uns laufen und grüßten noch freundlich.

leerer Strand
Bananenstaude

Sonntag machen wir die große Tazacorte-Runde. (Weiter dürfen wir nicht.) Sonntags wir auf der Baustelle der Umgehungsstraße nicht gearbeitet und wie gehen durch die Bananenplantage, über die Baustelle durch den Ort und wieder zum Hafen. Es ist warm und wir sind nichts mehr gewohnt. Abends habe ich "runde Füße". Aber ich bin glücklich, dass ich mich wieder mehr bewegen und auch meine Kamera wieder zum Einsatz kommen kann. Diesmal habe ich das Makroobjektiv mitgenommen.

Vor ein paar Tagen haben schon zwei Boote den Hafen verlassen, eine dänische Familiencrew und ein schwedischer Einhandsegler. Heute verlässt eine französche Crew (auch von Steg 1) die Insel. Zum Abschied stehen viele Segler an der Kaimauer und auch wir hupen zum Abschied. So gemeinsam "eingesperrt" zu sein, das verbindet.

Heute ist unser Tagesablauf auch anders als sonst. Unser Nachbar geht mit seinem Boot aus dem Wasser und wir helfen dabei. Nachdem das Boot an Land ist, gibt es bei uns Brunch, für in normales Frühstück ist es zu spät geworden. Morgen will unser Nachbar über Teneriffa nach Frankfurt und dann an den Bodensee nach Hause. Hoffentlich klappt alles.

17.05.2020

Das Leben normalisiert sich ein wenig. Einige Boote haben den Hafen in Richtung ihrer Heimatländer verlassen, auch wenn es weiter schwierig ist, irgendeinen anderen Hafen anlaufen zu dürfen.

Es ist auch ein wenig mehr Leben im Hafen. Man darf draußen vor der Küste  segeln und dann wieder zurück in den Hafen. Jogger, Spaziergänger und Radfahrer nutzen die Hafenanlagen und die ersten Restaurants haben geöffnet.

Wir laufen nach Tazacorte zum Einkaufen und haben auch schon das "Training" an unserem Hausberg aufgenommen.

Besonders freue ich mich, dass ich wieder Fotos machen kann.

Heute sind wir durch die Bananenplatagen in Richtung Leuchtturm gelaufen. Jetzt tun mir die Füße weh. Ich bin eben nichts mehr gewöhnt.