01.08.2018 Boulogne-sur-Mer

Um 6:45 Uhr verlassen wir Nieuwpoort. Die letzten Tage waren zu viel Wind, nun reicht es nicht zum Segeln. Wie fahren dicht unter der Küste zwischen den vielen Flachs durch und genießen die Aussicht.

Kormorane sitzen zum Trockenen auf einer Fahrwassertonne.

Nach kurzer Fahrt wird die belgische gegen die französiche Gastlandsflagge getauscht. Da wir dicht unter Land fahren, haben wir auch das Handynetz. So erreicht uns die Nachricht, dass die Kinder uns in Boulogne-sur-Mer - unserem nächsten Hafen - treffen wollen.

Wir erreichen gegen 16:00 Uhr den Hafen und versuchen im Tidehafenbereich einen Liegeplatz zu bekommen. Leider sind die Ausleger sehr kurz und wir beschließen, in den durch eine Schleuse abgetrennten Hafen zu fahren. Wir haben Glück, die Schleuse ist offen.

Gegen 17:00 Uhr haben wir endlich festgemacht. Leider mussten wir bei einer belgischen Ketsch längsseits gehen. Für die vielen neuen Crewmitglieder nicht so optimal. Wir haben aber Glück (oder die Nachbarn) dass niemand an Bord ist.

Der Hafenbereich kann nur durch Zugangskarten betreten werden, nicht einmal zum Hafenmeister kommt man als Besucher. Ich muss jemand ansprechen, der mir den Weg zum Hafenmeister öffnet . Der Hafen wird durch einen Segelclub betrieben. Die Sanitärräume sind ein Container, der im Wechsel anscheinend auch von den Clubmitgliedern gereinigt wird - alles sehr einfach gehalten, (nur der Preis nicht).

Insgesamt ist es der schmutzigste Hafen, den wir je erlebt haben. Überall schwimmt Müll im Hafenbecken und dazwischen ein paar tote Möwen.

Die Kinder sind inzwischen eingetroffen und an Bord. Sie machen vor dem Abendessen noch einen Strandbesuch, um zu baden. Gemeinsam stellen wir fest, dass Bologne-sur-Mer kein Hafen ist, an dem wir länger bleiben wollen.

Leider sind wir in einem Tidengewässer und müssen losfahren, wenn die Tide passt. Wir haben die Option, den nächsten Hafen in der Bucht anzulaufen (55 Seemeilen) oder über Nacht noch Cherbourg zu fahren (145 Seemeilen).

Egal wo wir hinfahren, wir müssen die Schleusenöffnungszeit um 8:85 Uhr nutzen. Die Kinder müssen also früh aufstehen und mit "Sack und Pack" wieder von Bord. Das tut uns natürlich leid.

Um 8:45 Uhr verlassen wir die Schleuse. Wir wissen immer noch nicht, welchen Hafen wir als nächstes ansteuern wollen. Erst ein Stück hinter der Hafeneinfahrt fällt die Entscheidung: Cherbourg.

 Mit uns fährt noch ein Finne aus der Schleuse Richtung Cherbourg, den wir auch die ganze Strecke über immer in der Nähe haben. Der Wind reicht wieder nicht zum Segeln, aber es gibt blauen Himmel und Nachts gute Sicht mit Mondlicht und vielen Sternen, ich habe sogar eine Sternschnuppe gesehen.

Wir fahren mit Selbsteueranlage und müssen nur gelegentlich den Kurs korrigieren. Der Tag vergeht mit Lesen. Das Funkgerät ist wie immer auf Kanal 16 auf Empfang. Es wird ein Boot gesucht, das Mayday gefunkt hat, aber keine Positionsmeldung abgegeben hat. Die englische Küstenwache fordert alle auf, sich zu melden, wenn das Boot gesehen wird.

Insgesamt ist der Funkverkehr sehr intensiv, schließlich fahren wir in der Nähe eines großen Verkehrstrennungsgebietes. Außer, dass ein Fischer uns in der Nacht sehr nahe gekommen ist, verläuft die Nacht ruhig. Ich habe wieder die Wache von 20:00 Uhr und von 2:00 Uhr (jeweils 3 Stunden). Nach meiner 2:00 Uhr Wache kann ich mich nur kurz in den Schlafsack verkriechen, denn wir sind kurz vor Cherbourg und müssen wieder konzentriert navigieren.