11.07.18 - Über Nacht bis Lauwersoog(Niederlande)

Mit Wind aus NE wollen wir Richtung Englischer Kanal. Bei der aktuellen Tide heißt es gegen Mittag ablegen. Vorher noch einen schönen Kaffee aus der Kaffeemaschine, das wäre schön. Leider meinte die Maschine das heiße Wasser nicht durch den Kaffee, sondern durch den Dampfauslass drücken zu müssen. Vielleicht etwas verstopft? Ich nahm das zum Anlass, alle Teile der Maschine zu reinigen und sogar zu entkalken - ohne Erfolg. Nichts ging! Wie gut, dass ich mir von meinen Lufthansameilen eine hightech Presskaffeekanne gekauft hatte. Und nun ging dieses Sch ...ding nicht auf, nicht zu glauben. Also wurde der Kaffee nach alter Methode gekocht. Klaus hatte inzwischen schon alle verfügbaren Behälter mit heißem Tee gefüllt, schließlich sollte es eine Nachtfahrt werden.

Nachdem ich meine Zeit mit Kaffekochen verbraten hatte, ging es nun für mich sehr plötzlich los. Nachts kann man nicht die Wattenfahrwasser zu den Ostfriesischen Inseln befahren, sodass wir beschlossen, morgens zu schauen, wie weit wir Richtung Niederlande gekommen sind und dann einen Hafen auszuwählen.

In der Hafenausfahrt setzen wir Groß und Genoa und ab geht´s. Der Wind wird noch einmal kurz weniger und der Besan kommt in dieser Saison das erste Mal zum Einsatz. Dann brist es auf bis ca. 20 Knoten, der Besan muss wieder weg und das Vorsegel wird etwas eingerollt. Der Wind kommt meistens aus 90 Grad wir fahren teilweise mit über 7 Knoten durch Wasser und zeitweise schiebt der Strom noch mit.

Gegen 16:00 Uhr haben wir die Tonne Elbe 1 querab. Die Welle ist inzwischen unangenehm geworden. Das kann ja heiter werden. Halbwindwelle vertrage ich sehr schlecht. In solchen Fällen übernehme ich besonders gern das Ruder.

Wir haben beschlossen, ab jetzt 3-Stunden-Wachen zu gehen. Ich habe mir die Wache von 20:00 Uhr bis 23:00 Uhr und dann von von 2:00 Uhr bis 5:00 Uhr ausgesucht. Die Seekoje wird klar gemacht. Der Schlafsack wird herausgeholt und Kissen zum Polstern in die Koje gelegt, damit man im Seegang fest eingeklemmt liegen kann.

Ich probiere die Koje schon mal bis 20.00 Uhr aus - und kämpfe gegen die Übelkeit. Das Boot geht zwar weich in die Welle (wir haben viel Gewicht ins Boot geladen) macht aber trotzdem heftige Bewegungen.

Meine Wache beginnt. Ich bitte Klaus, mir noch einen Apfel ins Cockpit zu reichen, meine Geheimwaffe gegen die Seekrankheit. Es hilft ein wenig, vielleicht aber auch, dass ich mich auf den Horizont konzentriere und den schönen Sonnenuntergang genieße. Vorher haben wir noch ein Reff ins Groß gebunden, da der Wind etwas mehr geworden ist und es nachts etwas ruhiger zugehen soll.

Ein anderer Segler kommt langsam auf, sehr langsam und das freut mich, denn er fährt unter Motor. Das Funkgerät ist standardmäßig auf Kanal 16 in Betrieb. Mitten in meiner Wache (die natürlich Klaus Freiwache ist), werden wir und unserer Nachbarsegler über Funk gerufen. Da ich die Handfunke nicht in Reichweite habe, muss Klaus aufstehen und in seinem Schlafgewand steuern, während ich das Funkgerät bediene. Es ist Jade-Weser-Traffic und sie bitten uns, mehr Abstand zum Schifffahrtsweg zu halten. Also fahren wir ein Stück südlich. Schade, es war so schön auf dem Plotter auf der "lila Linie" zu fahren.

Die Sonne ist untergegangen, es wird dunkel. Klaus Wache beginnt und ich versuche in der Koje zu schlafen. Augen zu, gegen die Übelkeit kämpfen aber Schlaf will sich nicht einstellen. Viel zu schnell ist die Freiwache zu Ende. Also raus aus dem warmen Schlafsack und wieder ins Ölzeug.

Es ist total dunkel. Kein Horizont zu sehen, stattdessen am Steven die rote und grüne Beleuchtung und gelegentlich die vom Licht angestrahlte rote oder grüne Gischt. Für jemand mit Seekrankheit ein schlechtes Szenario. Ich steuere an einem Rot blinkendem Windpark vorbei. Der Wind brist bis auf 23 Knoten auf, Klaus kommt an Deck und will ein 2. Reff einbinden. Es ist noch vor Sonnenaufgang, aber schon etwas heller und ich kann Klaus auf dem Vorschiff erkennen. Das macht die Reffaktion etwas einfacher.

Armer Klaus, die Aktion war wieder in seiner Freiwache. Es ist inzwischen 4:15 Uhr und Klaus kriecht wieder in die Koje. Da für mich der Start aus Cuxhaven eher plötzlich kam, hatte ich mich nicht auf die Nachtwache eingestellt. Sonst höre ich gern ein Hörspiel oder Musik. Die Wache wurde aber trotzdem nicht langweilig. Gelegen meldet unser Watchmate ein anderes Schiff auf Kollisionskurs und ich suchte die Dunkelheit nach dem Verursacher ab. Mal war es ein Lotsenboot, mal ein Fischer und dann ein Segler auf Gegenkurs, der uns dann mit seinem Scheinwerfer anleuchtete - warum auch immer.

Beim Wachwechsel stellen wir uns die Frage, wie weit wir fahren wollen. Klaus studiert die Seekarten. Wir haben zwei Optionen. Gegen 6:00 Uhr entscheiden wir uns für die Einfahrt bei Schiermonnikoog. Ich habe nun 4 Stunden gesteuert, bin ziemlich müde und krieche in die Koje. Die Welle ist immer noch häßlich und an Schlafen immer noch nicht zu denken. Aber in der Koje ist es wenigstens warm.

Unser Törn wie er von Marinetraffic dargestellt wurde.

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Klaus "weckt" mich schließlich um die Ansteuerungstonne an einem grauen Morgen in grauem Wasser finden. Wir fahren ins Fahrwasser, platt vor dem Wind nur unter Genoa und haben vorher das Groß geborgen. Ich steuere, Klaus entspannt sich. Er kann auch nicht schlafen. Das Fahrwasser erwacht zum Leben. Die ersten Segler fahren raus auf die Nordsee und die Fischer kommen vom Fang zurück. Leider habe ich keine Kamera parat. Es ist sehr interessant, wie die Fischer ihre Ausleger einklappen und die Netze an Bord holen.

Schließlich erreichen wir die Schleuse von Lauwersoog. Wir sind als erstes Schiff vor Ort, aber als die Schleuse öffnet, rasen andere an uns vorbei in die Schleuse. Wir passen schließlich auch noch gerade mit in die Schleusenkammer. Die Schleusung klappt ohne Probleme und wir bekommen sogar noch einen Liegplatz im Yachthafen Noordergat.

 

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Suchbild: Wo ist Ariadne im Hafen von Noordergat?

Nach dieser Nachtfahrt gibt es einen Ruhetag - schließlich sind wir nicht auf der Flucht. Am nächsten Tag machen wir einen Rundgang durch den Nationalpark vor Ort und den Fischereihafen.