05.07. – 06.07.2014

Heute soll unser Törn über die Biskaya beginnen. Der Himmel ist grau in grau, aber der Wind kommt aus der richtigen Richtung. Wir fahren unter Motor aus der Bucht, haben aber im Hafen schon den Besan gesetzt.

Es ist eine unschöne Welle draußen, aber wir hoffen immer noch, dass sie weiter draußen angenehmer wird. Wir haben mittlerweile zusätzlich die Genoa gesetzt und segeln mit 5-6 Knoten. Der Wegepunkt, an dem wir Richtung englische Küste abbiegen wollen ist 290 sm in 360 Grad.

Die Welle passt nicht zur Dünung. Wir segeln mit 120 Grad zum Wind und müssen beim Steuern heftig arbeiten, um die Welle auszusteuern. Ich bin immer noch nicht richtig einsatzfähig weil mir permanent übel ist. Immerhin schaffe ich es, den Kartoffelsalat herzustellen. (Die Kartoffeln hatte ich am Abend zuvor gekocht.)

Wir müssen eine Schifffahrtsroute der Großschifffahrt überqueren. Der Plan war, das bei Tageslicht zu schaffen. Der erste Große, der in unsere Nähe kommt, weicht uns aus, der 2. leider nicht. Wir fahren das sogenannte Manöver des letzten Augenblicks: Da der Wind weiter aufgefrischt hat, wollen wir die Genoa etwas einrollen und dann eine Halse fahren. Beim Einrollen reißt sich der Schäkel der Leeschot los, Klaus versucht, die Genoa ganz wegzurollen, was leider nicht ganz klappt, eine kleines Stück Tuch bleibt stehen. Wir halsen mit einer Schot hin, weichen aus und halsen zurück. Der Frachter fährt dicht neben uns vorbei und ich fluche laut vor mich hin: so ein A…

Inzwischen hat der Wind gedreht und Klaus möchte aus dem Bereich der Großschifffahrt heraus, insbesondere weil es demnächst dunkel wird. Wir fahren 90 Grad aus dem Bereich und hoffentlich heraus.

Mit nur einer Schot und einem Vorsegel, das sich nicht komplett einrollen lässt, sind wir nicht so gut unterwegs. Die Schot lässt sich nicht wieder einscheren, weil man bei dieser fast eingerollten Position des Segels nicht an das Schothorn kommt, weil es viel zu hoch ist. Um die Schot wieder zu befestigen, müssten wir das Vorsegel wieder ausrollen, bei bis zu 30 Knoten Wind und der fürchterlichen Welle aussichtslos. Wir warten auf ein „Windloch“. Statt abzunehmen brist es aber bei jedem Schauer tüchtig auf. Inzwischen habe ich mich mindestens einmal „versteuert“ und so findet eine Welle ihren Weg bis ins Boot und unter die Bodenbretter.

Es ist insgesamt eine ungemütliche Situation. Der Wind und die vor allen Dingen die Schauer kommen von hinten. Wir haben 2 Luks geschlossen, aber der Regen findet seinen Weg bis ins Boot. Kurzerhand wird ein Duschvorhang vor den Niedergang gehängt.

Endlich das ersehnte Windloch. Klaus kämpft sich angeseilt auf das Vorschiff, ich kämpfe mich einer voll ausgerollten Genoa durch die Welle und versuche Klaus auf dem Vorschiff nicht in eine Welle zu fahren. Es gelingt alles, Klaus bindet die Schot ein, korrigiert die Aufrolleinrichtung und kommt wieder heil zurück ins Cockpit.

Inzwischen wird es dunkel. Klaus will eine Stunde schlafen und so bin ich am Ruder. Leider hat sich mein Magen immer noch nicht beruhigt und so wecke ich Klaus um mich in die Koje zu rollen.

So aus der warmen Koje in das nasse Ölzeug einzusteigen und dabei in der Welle durchgeschüttelt zu werden ist nicht besonders schön. Irgendwann muss ich auch wieder raus. Es ist kurz vor Mitternacht. Kurz nach Mitternacht kommt Klaus ins Cockpit, gratuliert mir zum Geburtstag und erklärt, dass wir mit 2 Schiffen auf Kollisionskurs fahren. Bei strömendem Regen versuche ich Positionslaternen zu erkennen. Wenn wir unten in der Welle sind, sehe ich nichts und wenn wir oben sind, suche ich den Horizont ab. Schließlich kann ich Positionslaternen ausmachen. Klaus luvt und versucht auszuweichen, während ich für ungefähr 30 Minuten im strömenden Regen versuche herauszufinden, ob die Peilung steht oder wir gut aneinander vorbei kommen. Wir kommen dem anderen ziemlich nahe, aber trotzdem gut vorbei. Ich darf unter Deck – mein Geburtstagsgeschenk. Ich schaue noch einmal auf den Plotter – aber auch du Schreck, kein einziges Schiff wird über AIS angezeigt. Da stimmt etwas nicht. Ich gehe wieder nach draußen und Klaus versucht den Fehler zu finden. Es ist ein Wackelkontakt am Antennenstecker. Schließlich sehen wir die Großschifffahrt um uns herum wieder auf dem Plotter. Ich bin inzwischen so müde, dass ich tatsächlich etwas schlafe. Gegen 3 Uhr stehe ich auf und schaue auf den Plotter: wir fahren wieder zurück?!? Der Wind hat gedreht, so dass wir mit dem gleichen Kurs zum Wind nun zurück fahren. Wir beschließen, den Kurs weiter zu fahren und bei Tageslicht zu schauen, was geht.

Klaus schläft eine Stunde (die erste auf diesem Törn) und ich kämpfe weiterhin mit der Übelkeit. Morgens hat der Wind nachgelassen und wir dümpeln mit 2-3 Knoten durch die Welle. Mir geht es nicht besser und Klaus schlägt vor, umzukehren. Es ist so deprimierend, sich 30 Stunden zu quälen um dann nachmittags in La Corunia einzutreffen.

Wir kehren um und müssen die letzten Stunden sogar unter Motor fahren. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir La Corunia.

Abendbrot essen, zur Feier des Tages ein Bier und um 20:15 Uhr todmüde in die Koje.