05.06.2014

Wir wollen Richtung Denia und bei gutem Wetter die Nacht durch segeln, um Strecke zu machen. Die Welle ist ungemütlich hoch und wir setzen bereits im Hafen das Großsegel. Plötzlich hält mir Klaus ein abgerissenes Ende des Großfalls hin. Das Groß ist oben, kann aber so nicht wieder heruntergenommen werden oder ggf. ein Reff eingebunden werden. Das Fall war noch neu. Grund war ein gebrochener Block (auch neu) der das Fall quasi durchgeschnitten hatte.

Wir beschließen, trotzdem aus dem Hafen zu fahren, da der Hafen für großartige Manöver auch nicht geeignet ist. Das Problem mit dem Fall muss draußen gelöst werden.

Wir kämpfen uns gegen die Welle um die Hafenmole herum und schaukeln mit Motor und Groß auf einem Halbwindkurs Richtung Denia.

Klaus geht ordnungsgemäß angebunden und mit Schwimmweste aufs Vorschiff. Es ist ziemlich anstrengend für ihn, sich bei so einer Welle auf den Beinen zu halten. Eine Hilfsleine muss angebracht werden und das Großsegel geborgen. Dann ein altes Fall an der Sorgleine befestigen und das Fall einziehen. Fall eingezogen - leider war es zu kurz!

Plan B: Ein nicht benutztes Fall wird vom Mast genommen und als Großfall umfunktioniert. Bevor das aber getan wird, soll ich den Kurs zur Welle etwas ändern, damit Klaus es auf dem Vorschiff etwas leichter hat. Das gefällt dem Motor aber nicht so gut und er geht still und leise einfach aus. Klaus hat das auf dem Vorschiff gar nicht gleich mitbekommen und schaut völlig verdattert, als ich ihm das Problem zurufe.

Ja, nun sind wir ohne Motor und Segel, aber wenigsten weit genug vom Land, auflaufen würden wir so schnell nicht. Also erst einmal Vorsegel und Besan setzten. Wir hatten von Valencia 10 Meilen zurückgelegt und drehen nun um. Der Wind hat nachgelassen, wir fahren nur knapp 2 Knoten. Also schnell das Großfall klarieren und das Großsegel setzen.

Nun machen wir ca. 3 Knoten Fahrt, also noch über drei Stunden bis zum Hafen. Der Plan ist, kurz vor dem Hafen über Funk Hilfe anzufragen.

Ungefähr 30 Minuten vor der Hafeneinfahrt der erste Versuch. Die Stimme aus dem Funkgerät verspricht mir auf Englisch Hilfe und sagte, dass ich mich wieder melden soll, wenn wir an der Hafeneinfahrt sind.

Kurz vor der Hafeneinfahrt nehmen wir erst das Groß und dann den Besan herunter. Nur unter Vorsegel fahren wir eine Halse und auf die Hafeneinfahrt zu. Hoffentlich schaffen wir die Höhe. Die Stimme aus dem Funkgerät murmelt etwas auf Englisch und Spanisch.

Wir hoffen auf ein Schlauchboot, das uns in den Hafen helfen würde. Stattdessen kommt ein riesiger Katamaran mit vielen Menschen an Bord und segelt ganz langsam aus dem Hafen. Die Menschen winken freundlich, von Hinten rauscht ein Fischerboot heran. Für uns wird der Platz knapp. Irgendwie schaffen wir es in den Hafen und um die Ecke Richtung Wartepier. Klaus rollt das Vorsegel ein und ich steuere an die Pier, die wir glücklich erreichen.

Es ist mittlerweile 17:30 Uhr und ich suche aus der Hafenbeschreibung eine Motorenwerkstatt heraus. Es meldet sich tatsächlich noch jemand und nach einem spanisch-englischen Kauderwelsch wird uns signalisiert, das in 20-40 Minuten Ruben zu uns kommen würde.

Ich checke im Hafenbüro wieder ein und wir werden mit 2 Schlauchbooten auf unseren Liegeplatz geschleppt bzw. gedrückt. Dort wartet bereits Ruben, statt mit Werkzeug nur mit einem Kamm ausgerüstet.

Er schaut in den Motorraum, schnüffelt und fragt nach Werkzeug. Dann dreht er an einigen Schrauben und startet den Motor – der läuft. Er meint wir hätten irgendwie Luft in die Spritleitung bekommen, entweder über einen relativ leeren Tank in der Welle, oder die Leitungen wären nicht mehr in Ordnung. Nun läuft der Motor wieder und er zieht mit 40 Euro von dannen.

Na denn – Morgen der nächste Versuch Richtung Gibraltar zu kommen..

Wieder im Hafen von Valencia