Englischer Kanal

2014 sind wir an der englischen Küste entlang gefahren, nun wollen wir die französiche Küste kennen lernen.

01.08.2018 BOULOGNE-SUR-MER

Um 6:45 Uhr verlassen wir Nieuwpoort. Die letzten Tage waren zu viel Wind, nun reicht es nicht zum Segeln. Wie fahren dicht unter der Küste zwischen den vielen Flachs hindurch und genießen die Aussicht.

Kormorane sitzen zum Trocknen auf einer Fahrwassertonne.

Nach kurzer Fahrt wird die belgische gegen die französiche Gastlandsflagge getauscht. Da wir dicht unter Land fahren, haben wir auch das Handynetz. So erreicht uns die Nachricht, dass die Kinder uns in Boulogne-sur-Mer - unserem nächsten Hafen - treffen wollen.

Wir erreichen gegen 16:00 Uhr den Hafen und versuchen im Tidehafenbereich einen Liegeplatz zu bekommen. Leider sind die Ausleger sehr kurz und wir beschließen, in den durch eine Schleuse abgetrennten Hafen zu fahren. Wir haben Glück, die Schleuse ist offen.

Gegen 17:00 Uhr haben wir endlich festgemacht. Leider mussten wir bei einer belgischen Ketsch längsseits gehen. Für die vielen neuen Crewmitglieder nicht so optimal. Wir haben aber Glück (oder die Nachbarn) dass niemand an Bord ist.

Der Hafenbereich kann nur durch Zugangskarten betreten werden, nicht einmal zum Hafenmeister kommt man als Besucher. Ich muss jemand ansprechen, der mir den Weg zum Hafenmeister öffnet . Der Hafen wird durch einen Segelclub betrieben. Die Sanitärräume sind ein Container, der im Wechsel anscheinend auch von den Clubmitgliedern gereinigt wird - alles sehr einfach gehalten, (nur der Preis nicht).

Insgesamt ist es der schmutzigste Hafen, den wir je erlebt haben. Überall schwimmt Müll im Hafenbecken und dazwischen ein paar tote Möwen.

Die Kinder sind inzwischen eingetroffen und an Bord. Sie machen vor dem Abendessen noch einen Strandbesuch, um zu baden. Gemeinsam stellen wir fest, dass Bologne-sur-Mer kein Hafen ist, an dem wir länger bleiben wollen.

Leider sind wir in einem Tidengewässer und müssen losfahren, wenn die Tide passt. Wir haben die Option, den nächsten Hafen in der Bucht anzulaufen (55 Seemeilen) oder über Nacht noch Cherbourg zu fahren (145 Seemeilen).

Egal wo wir hinfahren, wir müssen die Schleusenöffnungszeit um 8:85 Uhr nutzen. Die Kinder müssen also früh aufstehen und mit "Sack und Pack" wieder von Bord. Das tut uns natürlich leid.

Um 8:45 Uhr verlassen wir die Schleuse. Wir wissen immer noch nicht, welchen Hafen wir als nächstes ansteuern wollen. Erst ein Stück hinter der Hafeneinfahrt fällt die Entscheidung: Cherbourg.

Mit uns fährt noch ein Finne aus der Schleuse Richtung Cherbourg, den wir auch die ganze Strecke über immer in der Nähe haben. Der Wind reicht wieder nicht zum Segeln, aber es gibt blauen Himmel und Nachts gute Sicht mit Mondlicht und vielen Sternen, ich habe sogar eine Sternschnuppe gesehen.

Wir fahren mit Selbsteueranlage und müssen nur gelegentlich den Kurs korrigieren. Der Tag vergeht mit Lesen. Das Funkgerät ist wie immer auf Kanal 16 auf Empfang. Es wird ein Boot gesucht, das Mayday gefunkt hat, aber keine Positionsmeldung abgegeben hat. Die englische Küstenwache fordert alle auf, sich zu melden, wenn das Boot gesehen wird.

Insgesamt ist der Funkverkehr sehr intensiv, schließlich fahren wir in der Nähe eines großen Verkehrstrennungsgebietes. Außer, dass ein Fischer uns in der Nacht sehr nahe gekommen ist, verläuft die Nacht ruhig. Ich habe wieder die Wache von 20:00 Uhr und von 2:00 Uhr (jeweils 3 Stunden). Nach meiner 2:00 Uhr Wache kann ich mich nur kurz in den Schlafsack verkriechen, denn wir sind kurz vor Cherbourg und müssen wieder konzentriert navigieren.

03.08.2018 CHERBOURG

Um 8:30 Uhr können wir im Hafen von Cherbourg festmachen. Wir finden einen guten Liegeplatz, der allerdings mal wieder einen längeren Fußweg zum Hafenmeister und den Sanitäranlagen bedeutet (15 Minuten).

Wir müssen unsere Vorräte ergänzen und machen einen kleinen Spaziergang in die Altstadt. Die engen Straßen sind nett anzusehen. Der Ort hat eine schöne Atmosphäre. Wir regenerieren und entspannen - am nächsten Tag erwarten wir wieder viel Leben an Bord  - die Kinder wollen uns noch einmal besuchen.

Mit meiner Tochter und den Enkelkindern mache ich eine Autofahrt nach Carteret, der Ort, an dem meine Kinder früher als sie noch klein waren ihre Sommerferien bei "Oma und Opa Frankreich" verbrachten. Wir suchen das Haus, in dem die Großeltern gelebt hatten und verbringen einen Tag am Strand. Mich zieht es in einem längeren Spaziergang zum Hafen, um zu schauen, ob wir mit unserem Boot dort auch festmachen könnten.

Ein großer Teil des Hafens fällt trocken und der andere Teil ist eher für kleinere Boote geeignet.

Am nächsten Tag freuen wir uns darauf, einen Großeinkauf in einem entfernteren Supermarkt zu erledigen. Wann steht un schon ein Auto zur Verfügung. Entsprechend groß wird der Einkauf.

Die Kinder gehen wieder von Bord. Sie wollen noch einige Zeit in Frankreich und in Carteret verbringen,

Am 7.08. um 6:00 Uhr lösen wir die Leinen und fahren aus dem Hafen - Richtung Guernsey.

07.08.2018 GUERNSEY

Morgens gegen 6:00 Uhr verlassen wir vor dem Sonnenaufgang den Hafen von Cherbourg. Es ist wenig Wind und wir haben 40 Seemeilen vor uns. Also fahren wir zuerst unter Motor. Später können wir etwas segeln. Dabei müssen wir die Uhr im Auge behalten, um rechtzeitig - aber nicht zu früh oder zu spät anzukommen.

Bei sehr wenig Wind baut sich schon eine häßliche Welle auf. Diese Welle passt überhaupt nicht zum Wind. Wie sieht das hier wohl aus, wenn es stürmt.

Gegen 13:30 Uhr erreichen wir Guernsey. Vorher haben wir die britische Gastlandsflagge gesetzt und darüber dskutiert, wie die gelbe Flagge Q gesetzt werden soll. Wenn man auf die Kanalinseln einreist, muss man die Flagge Q zum Einklarieren setzen. An der Backbord- oder Steuerbordsaling mit oder Gastlandsflagge - wir waren uns bis zum Schluss nicht einig und setzen Gastlandsflagge und Q an Steuerbord.

Da wir nicht die einzigen sind, die mit der Tide fahren, erreichen wir mit mehreren anderen Seglern den Hafen St. Peter Port. Der Hafen hat mehrere Teile. Wir wollen in den tidenunabhängigen Bereich. Nachdem wir uns entprechend "eingeordnet" haben, kommt jemand vom Hafen in einem kleinen offenen Boot auf uns zu, sieht die gelbe Flagge und reicht uns erst einmal die Papiere zum Einklarieren. Dann kommt die Frage nach dem Tiefgang und wie lange wir bleiben wollen. Da das Wetter schlechter werden soll und wir uns auch ein wenig auf der Insel umschauen wollen sage ich 2-3 Tage, Darauf winkt der Hafenmeister, wir sollen hinter ihm her fahren um dann schließlich an einem Schlengel längsseits fest zu machen.

Schnell füllt sich der Hafen und auch der Teil, in dem wir liegen. Sofort haben zwei weitere Schiffe an uns festgemacht. Es fängt an zu regnen und der Wind nimmt zu. Im Hafen steht heftiger Schwell. Leider gibt es weder Strom noch Internet.

Wir füllen die Papiere zum Einklarieren aus und checken beim Hafenmeister für zwei Tage ein.

Am nächsten Tag schauen wir uns ein wenig um.

Das Wetter für die nächsten Tage verheißt nicht Gutes. Viel Wind und der auch noch aus der falschen Richtung. Wir unterbrechen unsere Weiterreise und buchen einen Flug nach Deutschland.

Leider ist es im tidefreien Hafen sehr unruhig. Gerade hat uns ein Motorboot beim Anlegen fast gerammt. Wir gehen zum Hafenmeister (es sind mehrere in diesem "wuseligen" Hafen) und erklären ihm unsere Situation. Wir sollen in den inneren Hafen und an einem dänischen Boot festmachen, das auch für einige Zeit allein gelassen werden soll. Für Boote mit unserem Tiefgang gibt es nur 4 Liegeplätze. Sobald einer davon frei wird, wollen die Hafenmeister unseren Boot dorthin bringen.

Wir müssen erst die zwei Boote, die wieder an uns festgemacht haben "wegscheuchen" und dann fahren wir zum Tanken. Die Inseln haben einen Sonderstatus, ähnlich wie Helgoland. Der Diesel ist steuerfrei und kostet umgerechnet 0,77 Cent.

Dann gehen wir als 3. Boot ins Päckchen an den Warteschlengel. Hier warten alle Boote auf den Wasserstand, bei dem sie in den inneren Hafen fahren können und werden, wenn der Wasserstand passt von den Hafenmeistern zu den Liegeplätzen gebracht.

Endlich ist es soweit. Unser Liegeplatz ist direkt an der Hafeneinfahrt und Klaus fährt rückwärts hinein. Wir haben noch nicht einmal richtig fest gemacht, da kommt auch schon ein weiteres Boot, das an uns festmacht.

Wir liegen sehr unruhig. Der Wind drückt uns auf das dänische Schiff. Solange ausreichend Wasser über der Barre steht, kommen immer mehr Schiffe in den Hafen. Es haben wohl alle den Wetterbericht gelesen.

Wenn der Wasserstand sinkt, bleibt ein Rest von Wasser im Hafen und wenn das Wasser dann wieder steigt, rauscht das Wasser zurück in den Hafen. Ab da bis zum nächsten Niedrigwasser steht ein heftiger Schwell in den Hafen.

Hier die Dokumentation:

28.08.2018 - ROSCOFF

Endlich passt der Wind und gegen 6:00 Uhr verlassen wir den Hafen von Guernsey. Mit 75 sm haben wir eine lange Strecke vor uns. Zu Beginn kämpfen wir gegen den Strom bei einer unangenehmen Welle, dann haben wir endlich den Strom mit.

Klaus steuert und ich habe mich unter Deck ein wenig hingelegt, um meinen Magen zu beruhigen. Plötzlich werde ich gerufen: Komm schnell! Die ersten Delfine in diesem Jahr kreuzen unseren Kurs.

Noch vor Einbruch der Dunkelheit  (wir hatten natürlich kurz vor dem Ziel wieder den Strom gegenan) erreichen wir den Hafen von Roscoff.

Wir bekommen einen Liegeplatz am Schlengelkopf angewiesen und der Hafenmeister hilft uns beim Festmachen. Er hatte sogar angeboten, uns mit dem Schlauchboot an den Steg zu drücken. Das ist nicht notwendig, aber am nächsten Tag können wir sehen, mit welcher Wucht der Strom durch den Hafen zieht. Die Einheimischen haben ihre Liegeplätze mit Fendern gepolstert. Jetzt wissen wir auch warum.

Im Hafen liegen einige Racer - 50 Fuß-Trimarane. An denen wird gerade gewerkelt.

Wie leihen für zwei Stunden kostenlos Fahrräder. Das ist prima, den wir wollen unsere Vorräte wieder auffüllen. Wir radeln durch den Ort mit seiner netten Altstadt und an verschieden Häfen vorbei.

Wir erstehen ein paar französische Leckereien in dem Supermarkt CASINO. Auch gibt es wieder einen Camenbert. An dem erkennt man, ob jemand den Kühlschrank aufgemacht hat - ein wirklich markanter Duft...

30.08.2018 - CAMARET-SUR-MER

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr, Ablegen um 6:00 Uhr. Es ist stockfinster, der Hafen schlecht beleuchtet. Also warten, bis es etwas heller wird - Start um 6:45 Uhr.

Weiter wie gewohnt: Sobald das Boot klariert ist und der Kurs anliegt, gibt es Frühstück. Kaffee und Tee hatte ich wie immer schon vor dem Ablegen gekocht, jetzt muss ich nur noch Brote schmieren. Eigentlich ganz einfach - wenn diese fürchterliche Welle nicht wäre. Ich kämpfe wieder mit der Seekrankheit und frage Klaus, ob es heute Morgen auch nur Kräcker zum Frühstück sein könnten.

Rollentausch: Ich steuere und Klaus schmiert die Brote. Wir fahren wie über "Kopfsteinpflaster". Die Welle ist eklig - Wind gegen Strom.

Später wird die Welle etwas besser, ist aber trotzdem an einigen Stellen sehr extrem. Hier trifft die Welle aus dem tiefen Bereich auf die vielen Flachs, die es hier gibt.

Kurz vor unserem Ziel - der Strom läuft zum Teil so stark mit, dass wir über 9 Knoten fahren - ist die Welle weg.

egen 17:00 Uhr erreichen wir den Hafen.

Abends nur noch das Schiff aufklaren, Abendbrot essen und entspannen.

Am nächsten Tag ist Regen angesagt. Vormittags sieht es noch gut aus und wir versuchen, die Gegend zu erkunden. Es ist sehr schön hier.

Hier einige Impressionen:

Statt bei 6-7 Bft. auf der Biskaya zu segeln, packen wir die Wanderstiefel aus. Bei strahlendem Wetter laufen wir 13 km hauptsächlich an der Küste entlang mit immer wieder tollem Blick auf das Meer.

So vergehen einige Tage. Wir warten auf das Wetterfenster, um über die Biskaya zu segeln.