MADEIRA UND KANAREN

Westlich von Marokko besuchen wir zuerst das Madeira Archipel. Auf dem Foto ist Porto Santo zu sehen, eine der zwei bewohnten Inseln des Archipels.

Als nächstes Ziel sind die Kanaren geplant.

23.10.2018 PORTO SANTO

Am 20.10. fahren wir um kurz nach 9:00 Uhr aus dem Yachthafen von Lagos, halten noch zum Tanken und dann geht es Richtung Madeira. Mit uns verlässt noch ein britisches Boot den Hafen.

Mehr als 450 Seemeilen liegen vor uns. Wir fahren unter Besan und Vorsegel. Die Selbststeueranlage hat noch Freizeit. Wir wollen erst das Verkehrstrennungsgebiet überqueren. Mittags soll es einen Salat geben. Leider schaffe ich nur einige Vorbereitungen und dann erwischt mich die Seekrankheit. Ich gebe Klaus vom Cockpit aus Anweisungen und er macht den Salat. Mir geht es etwas besser und ich kann ihn sogar essen.

Es wird langsam dunkel und ein Gewitter zieht auf. Wir können nicht ausweichen und laufen etwas vor dem Starkwind ab. Es ist spannend, denn wir kommen dem Verkehrstrennungsgebiet sehr nahe. Unseren Weg kreuzen drei große Schiffe. Das erste geht vor uns durch und die anderen beiden weichen uns ein weng aus und gehen hinter uns durch. Jetzt wird der Windpilot eingeschaltet.

Wir haben fast Vollmond, aber der wird immer wieder von Wolken überdeckt. Mir geht es jetzt wieder schlecht und ich darf mich ein wenig unter Deck legen. Das "ein wenig" dauert bis zum Morgen. Dann übernehme ich und Klaus kann sich ausruhen.

Mir geht es besser und die nächste Nacht kann ich regulär meine Wache gehen. Ein wenig Musik auf die Ohren, so lässt es sich aushalten.

Die dritte Nacht kommt näher. Abends kann ich noch gefüllte Teigtaschen backen, aber dann gibt es plötzlich eine ganz häßliche Welle und ich liege wieder seekrank unter Deck. Gegen 6:00 Uhr löse ich Klaus für eine Stunde ab. 

Tagsüber geht es mir besser. Wir schaffen es, den Regenwolken auszuweichen und erreichen bei Einbruch der Dunkelheit Porto Santo.

Der Hafen ist voll, wir versuchen zwischen den anderen Schiffen zu ankern. Das ist schwierig, weil es auch hier sehr voll ist. Schließlich finden wir noch eine freie Mooring und machen fest. Es ist 22:00 Uhr, schnell noch etwas zu essen und dann nur noch schlafen ...

Das nächste Problem ist - wie kommen wir an Land? Das Reserveschlauchboot muss fertig gemacht werden, eine Aktion von mehr als 2 Stunden. Schließlich können wir an Land fahren und einchecken. Zuerst geht es zur Behörde. Das Marina-Office hat Mittagspause. Wir haben noch eine Stunde Zeit, bis das Büro aufmacht.

Ich habe mein Waschzeug mit an Land gebracht, Nach so vielen Tagen auf See brauche ich eine Dusche. Ich habe Glück, zwei Französinnen sind im Duschraum und machen mir die Tür auf. Endlich duschen - brrr, die Dusche ist eiskalt. Ach was soll's, es gibt Schlimmeres.

Abends genießen wir den Mondaufgang (Vollmond) im Cockpit.

Nachts gibt es, wie an den letzten Nächten, wieder Gewitter. Die Mooring von unserem Nachbarn hält nicht. Er muss mitten in der Nacht einen anderen Ankerplatz suchen.

Am nächsten Morgen verlassen viele Boote den Hafen und den Ankerplatz. Es soll in den nächsten Tag viel Wind geben. Wir beschließen, uns um einen Platz im Hafen zu bemühen und haben Glück. Die nächste Nacht verbringen wir im Hafen.

26.10.2018 MADEIRA

Für die nächsten Tage ist viel Wind angesagt und wir hatten uns eigentlich schon damit abgefunden, dass wir in Porto Santo bleiben. Aber dann erreicht uns die Nachricht von der SY Esmeralda, dass sie für uns einen Liegeplatz reservieren konnten und wir könnten jetzt kommen.

Kurz entschlossen checken wir aus und fahren nach Quinta Do Lorde. Es ist kein Wind und wir fahren unter Motor. Über Madeira hängt eine dicke Regenwolke.

Kurz vor dem Hafen überholt uns ein Schwede, der dann aber nicht in den Hafen darf, da der Hafen voll ist und er keine Reservierung hat - aber wir - Ätsch ...

Wir werden vor dem Hafen von einem Schlauchboot abgeholt und zum Liegeplatz begleitet.

In den nächsten Tagen ist es sehr unruhig im Hafen. Der Wind hat zugenommen und Fallböen ziehen - zum Teil mit Starkregen über den Hafen.

Am Sonntag nehmen wir den Bus nach Funchal, um unser Mietauto abzuholen und am Montag machen wir unsere erste kleine Wanderung auf einem Klippenweg.

Leider regnet es fast jeden Tag. Trotzdem können wir Wandertouren machen. Hier einige Fotos ...

24.11.2018 PUERTO TAZACORTE

Am 22.11. wollen wir Richtung Kanaren ablegen und vorher zur Sicherheit in der Marina tanken. Es ist ein schöner Morgen, wir bereiten uns auf die Fahrt vor und als wir gerade ablegen wollen, dreht der Wind aus dem Nichts auf ca. 25 Knoten auf - super. Unsere Nachbarin, die uns beim Ablegen helfen wollte, schaut auch sehr überrascht. Wir legen ab und freuen uns, dass die netten Marineros an der Tankstelle auf uns warten und beim Festmachen helfen.

Gegen 10:30 Uhr machen wir uns auf den Weg zu den Kanaren. Der Blick zurück nach Madeira - wie immer in letzter Zeit unter den Regenwolken.

Wir setzen das erste Mal den Spi-Baum zum Ausbaumen des Vorsegels. Das funktioniert hier sehr viel anders, als auf unserer X-Yacht. Klaus hat einige Leinen zum Fixieren bis ins Cockpit geführt und versucht, mir die Funktion zu erklären.

Leider ist unser Kurs nach La Palma genau vor dem Wind, ein Kurs, den wir nicht gut in der Welle fahren können, auch wenn sich der Windpilot alle Mühe gibt. Kurz vor dem Dunkel werden, wollen wir halsen und dann beginnt der Stress. Klaus hantiert auf dem Vorschiff mit dem riesigen Baum und ich habe neben dem Ruder noch ein paar Leinen zum Dichtholen und Fieren in der Hand. Klaus gibt mir vom Vorschiff aus Zeichen, die ich aber schlecht verstehe. Außerdem kommt jetzt auch noch Gegenverkehr und die Sonne geht unter. Der Rest des Manövers passiert im Dunklen. Das muss besser werden ...

Es ist Nacht und Madeira ist hinter uns hell erleuchtet zu sehen. Es kommt uns vor, als würden wir nicht voran kommen. Mich plagt wieder die Seekrankheit und als ich mitten in der Nacht meine Wache übernehme, ist Madeira nicht mehr zu sehen.

Am 2. Tag geht es mir besser und ich kann mich an den Definen und kleine Walen freuen, die unseren Weg kreuzen.

Wir hatten schon vor Wochen versucht, per E-Mail einen Liegeplatz in Puerto Tazacorte zu bekommen - ohne Antwort. Vor der Abfahrt hatten wir es dann mit einem Formular auf der Website versucht. Die Antwort war: Ihre Anfrage ist angekommen ...

Wir fahren also genau auf die Nordküste von La Palma zu, um in den Bereich des Mobilfunknetzes zu kommen. Vielleicht haben wir eine Zusage aus Puerto Tazacorte bekommen. Wenn nicht, müssen wir an die Ostküste nach St. Cruz fahren. Leider keine Antwort und mit 6:00 Uhr morgens auch noch keine Uhrzeit, um im Marina-Office anzurufen. Deshalb fahren wir nun in Richtung St. Cruz.

Kurz vor dem Hafen erbitten wir über Funk die Einfahrerlaubnis in den großen Hafen. Wir dürfen und versuchen nun per Funk Kontakt mit der Marina aufzunehmen. Dort erklärt man uns, es gäbe zwar einen Liegeplatz für uns, aber die Zufahrt zur Marina ist defekt und niemand weiß, wann sich die Zufahrt wieder öffnen läßt.

Wir fahren vor der Einfahrt auf und ab und beobachten zwei Mechaniker, die ratlos schauen und telefonieren. Als sich dieser Zustand auch nach einer Stunde nicht ändert, telefonieren wir auch und zwar mit dem Marina-Office in Puerto Tazacorte. Wir haben Glück, es geht jemand ans Telefon und verspricht uns sogar noch einen Liegeplatz. Wenn wir uns beeilen - bis 18:00 Uhr ist noch ein Marinero im Dienst und die Zutrittskarte für die Steganlage würde im Kiosko am Hafen hinterlegt.

Wir geben Gas ...Der Wind ist weg und der Atlantik ein Ententeich - bis wir an die Südspitze von La Palma kommen. Der Wind briest auf bis mehr als 25 Knoten. Kurz hinter dem Leuchtturm wird er aber wieder weniger.

Ein paar Minuten vor 18:00 Uhr erreichen wir den Hafen von Purto Tazacorte, der Marinero hat noch Dienst und hilft uns beim Anlegen. Wir haben es geschafft: Seit ungefähr 20 Jahren machen wir Wanderurlaub auf La Palma und träumen davon, einmal mit dem Boot hierher zu kommen - das habén wir nun erreicht.

Die nächsten Tage tanken wir erst einmal Wärme und Sonne. Dann mieten wir uns ein Auto und starten einige Wandertouren ...

An einem Sonntagmorgen vor den Sanitäranlagen:

Die Sanitäranlagen bestehen aus 6 Kabinen mit WC, Waschbecken und Dusche. Diese Kabinen sind von außen einzeln zugänglich. Um hineinzukommen hält man die Zugangskarte vor den Kartenleser und versucht die Tür aufzudrücken. Wenn niemand die Tür mit einem Haken verriegelt hat, kommt man in den Raum, sonst verhindert der Haken, dass die Tür geöffnet werden kann.

Der normale Vorgang: man versucht an jeder Tür, ob sie sich öffnen läßt. So auch an diesem Morgen. Vor mir hat schon ein anderer Segler alle Türen durchprobiert und lächelt mich mit einem "all busy" an. Ok, ich stelle mich neben diesen Herrn und lasse meinen Blick über den Yachthafen schweifen ...Nach kurzer Zeit erscheint ein spanisches Pärchen mit Duschsachen unter dem Arm. Die müssen neu hier sein oder besonders hart im Nehmen. Die Duschen sind morgens nämlich noch kalt, wie ich bei meiner ersten Dusche hier feststellen konnte. War nicht schön, aber nach zwei Tagen auf See ist man nicht so empfindlich. Als der beste aller Ehemänner dann aber erzählte, er hätte irgendwo gelesen, dass die Duschen über Solar geheizt werden und Morgens noch kalt sind, war ich etwas angezickt.

Auch dem Pärchen wurde mitgeteilt "all busy" und sie reihten sich in die Schlange ein. Als nächstes erschien eine junge Frau mit einem Rollkoffer. So schlecht sah die gar nicht aus, als dass sie so eine große Kosmetiktasche benötigen würde. Sie wollte wohl nicht warten und rollte wieder davon.

Der nächste Mann, der erschien ließ sich von dem "all busy" nicht aufhalten und probierte, eine Tür zu öffen, die dann tatsächlich auch aufging. Jetzt wurden wieder alle Türen ausprobiert, was von innen teilweise mit einem ärgerlichen Gemurmel beantwortet wurde.

Nach ca. 15 Minuten ging die erste Tür auf und jemand mit einer Kaffeetasse kam heraus. Die Spanier hinter mir murmelten "oh, with breakfast". Aus der nächsten Tür kam eine junge Frau mit Rucksack und Isomatte - dann kam ich endlich dran ...