Auf der Nordsee

Zuerst einmal geht es über die Elbe auf die Nordsee.

UNSER ERSTER HAFEN IST CUXHAVEN

Nachdem wir die Tage an Bord in Wedel für Restarbeiten (das 2. Solarpanel wurde angebracht, der Miniplex überträgt Daten auf den Plotter, usw. ...) genutzt haben, drehte am Dienstag der Wind auf NE. Leider waren die warmen Tage auch vorbei und das Wetter regnerisch - aber man kann nicht alles haben.

Für unser Sturmvorsegel muss noch ein 2. Vorstag angebracht werden. Dafür hatten wir uns Dyneema besorgt, das eine ausreichende Bruchlast hat. Leider muss auf beide Enden eine Kausch eingespleißt werden. Das Material ist sehr "störrisch" und so übe ich erst einmal mit einem leichter zu spleißendem Tauwerk.

Eine Stunde vor Hochwasser verlassen wir mit einigen anderen Seglern den Hamburger Yachthafen mit Kurs auf Cuxhaven. Es ist sehr böig. (In den Böen waren es 25 Knoten.) Wir fahren unter Motor, um auf jeden Fall noch vor dem auflaufenden Wasser in Cuxhaven anzukommen.

Gegen 19:00 Uhr erreichen wir den Hafen - und vermasseln gleich das erste Anlegemanöver  auf unserem Törn. Der Wind drückt uns bei der Einfahrt in die Box Richtung Nachbarschiff. Damit nichts passiert, will ich die Fender höher hängen, aber da drückt uns der Strom quer und der Anker unseres Nachbarn droht in unserer Reeling hängen zu bleiben. Ich entscheide mich dafür, unser Boot von Anker wegzudrücken und der Fender, den ich gerade anbringen wollte, fällt ins Wasser. Leider gelingt es uns nicht, den Fender wieder aufzunehmen, aber wir haben Glück, ein anderer Segler kann den Fender von seinem Liegeplatz aus einfangen.

Wie schauen uns im Hafen nach einem anderen Liegeplatz um und haben Glück.

Am Abend wird mein Geburtstagsessen beim Portugiesen (Sagres) nachgeholt.

Den Abend lassen wir im Cockpit ausklingen - wir sind endlich losgefahren...

11.07.18 - ÜBER NACHT BIS LAUWERSOOG(NIEDERLANDE)

Mit Wind aus NE wollen wir Richtung Englischer Kanal. Bei der aktuellen Tide heißt es gegen Mittag ablegen. Vorher noch einen schönen Kaffee aus der Kaffeemaschine, das wäre schön. Leider meinte die Maschine das heiße Wasser nicht durch den Kaffee, sondern durch den Dampfauslass drücken zu müssen. Vielleicht etwas verstopft? Ich nahm das zum Anlass, alle Teile der Maschine zu reinigen und sogar zu entkalken - ohne Erfolg. Nichts ging! Wie gut, dass ich mir von meinen Lufthansameilen eine hightech Presskaffeekanne gekauft hatte. Und nun ging dieses Sch ...ding nicht auf, nicht zu glauben. Also wurde der Kaffee nach alter Methode gekocht. Klaus hatte inzwischen schon alle verfügbaren Behälter mit heißem Tee gefüllt, schließlich sollte es eine Nachtfahrt werden.

Nachdem ich meine Zeit mit Kaffekochen verbraten hatte, ging es nun für mich sehr plötzlich los. Nachts kann man nicht die Wattenfahrwasser zu den Ostfriesischen Inseln befahren, sodass wir beschlossen, morgens zu schauen, wie weit wir Richtung Niederlande gekommen sind und dann einen Hafen auszuwählen.

In der Hafenausfahrt setzen wir Groß und Genoa und ab geht´s. Der Wind wird noch einmal kurz weniger und der Besan kommt in dieser Saison das erste Mal zum Einsatz. Dann brist es auf bis ca. 20 Knoten, der Besan muss wieder weg und das Vorsegel wird etwas eingerollt. Der Wind kommt meistens aus 90 Grad wir fahren teilweise mit über 7 Knoten durch Wasser und zeitweise schiebt der Strom noch mit.

Gegen 16:00 Uhr haben wir die Tonne Elbe 1 querab. Die Welle ist inzwischen unangenehm geworden. Das kann ja heiter werden. Halbwindwelle vertrage ich sehr schlecht. In solchen Fällen übernehme ich besonders gern das Ruder.

Wir haben beschlossen, ab jetzt 3-Stunden-Wachen zu gehen. Ich habe mir die Wache von 20:00 Uhr bis 23:00 Uhr und dann von von 2:00 Uhr bis 5:00 Uhr ausgesucht. Die Seekoje wird klar gemacht. Der Schlafsack wird herausgeholt und Kissen zum Polstern in die Koje gelegt, damit man im Seegang fest eingeklemmt liegen kann.

Ich probiere die Koje schon mal bis 20.00 Uhr aus - und kämpfe gegen die Übelkeit. Das Boot geht zwar weich in die Welle (wir haben viel Gewicht ins Boot geladen) macht aber trotzdem heftige Bewegungen.

Meine Wache beginnt. Ich bitte Klaus, mir noch einen Apfel ins Cockpit zu reichen, meine Geheimwaffe gegen die Seekrankheit. Es hilft ein wenig, vielleicht aber auch, dass ich mich auf den Horizont konzentriere und den schönen Sonnenuntergang genieße. Vorher haben wir noch ein Reff ins Groß gebunden, da der Wind etwas mehr geworden ist und es nachts etwas ruhiger zugehen soll.

Ein anderer Segler kommt langsam auf, sehr langsam und das freut mich, denn er fährt unter Motor. Das Funkgerät ist standardmäßig auf Kanal 16 in Betrieb. Mitten in meiner Wache (die natürlich Klaus Freiwache ist), werden wir und unserer Nachbarsegler über Funk gerufen. Da ich die Handfunke nicht in Reichweite habe, muss Klaus aufstehen und in seinem Schlafgewand steuern, während ich das Funkgerät bediene. Es ist Jade-Weser-Traffic und sie bitten uns, mehr Abstand zum Schifffahrtsweg zu halten. Also fahren wir ein Stück südlich. Schade, es war so schön auf dem Plotter auf der "lila Linie" zu fahren.

Die Sonne ist untergegangen, es wird dunkel. Klaus Wache beginnt und ich versuche in der Koje zu schlafen. Augen zu, gegen die Übelkeit kämpfen aber Schlaf will sich nicht einstellen. Viel zu schnell ist die Freiwache zu Ende. Also raus aus dem warmen Schlafsack und wieder ins Ölzeug.

Es ist total dunkel. Kein Horizont zu sehen, stattdessen am Steven die rote und grüne Beleuchtung und gelegentlich die vom Licht angestrahlte rote oder grüne Gischt. Für jemand mit Seekrankheit ein schlechtes Szenario. Ich steuere an einem Rot blinkendem Windpark vorbei. Der Wind brist bis auf 23 Knoten auf, Klaus kommt an Deck und will ein 2. Reff einbinden. Es ist noch vor Sonnenaufgang, aber schon etwas heller und ich kann Klaus auf dem Vorschiff erkennen. Das macht die Reffaktion etwas einfacher.

Armer Klaus, die Aktion war wieder in seiner Freiwache. Es ist inzwischen 4:15 Uhr und Klaus kriecht wieder in die Koje. Da für mich der Start aus Cuxhaven eher plötzlich kam, hatte ich mich nicht auf die Nachtwache eingestellt. Sonst höre ich gern ein Hörspiel oder Musik. Die Wache wurde aber trotzdem nicht langweilig. Gelegen meldet unser Watchmate ein anderes Schiff auf Kollisionskurs und ich suchte die Dunkelheit nach dem Verursacher ab. Mal war es ein Lotsenboot, mal ein Fischer und dann ein Segler auf Gegenkurs, der uns dann mit seinem Scheinwerfer anleuchtete - warum auch immer.

Beim Wachwechsel stellen wir uns die Frage, wie weit wir fahren wollen. Klaus studiert die Seekarten. Wir haben zwei Optionen. Gegen 6:00 Uhr entscheiden wir uns für die Einfahrt bei Schiermonnikoog. Ich habe nun 4 Stunden gesteuert, bin ziemlich müde und krieche in die Koje. Die Welle ist immer noch häßlich und an Schlafen immer noch nicht zu denken. Aber in der Koje ist es wenigstens warm.

Unser Törn wie er von Marinetraffic dargestellt wurde.

Klaus "weckt" mich schließlich um die Ansteuerungstonne an einem grauen Morgen in grauem Wasser finden. Wir fahren ins Fahrwasser, platt vor dem Wind nur unter Genoa und haben vorher das Groß geborgen. Ich steuere, Klaus entspannt sich. Er kann auch nicht schlafen. Das Fahrwasser erwacht zum Leben. Die ersten Segler fahren raus auf die Nordsee und die Fischer kommen vom Fang zurück. Leider habe ich keine Kamera parat. Es ist sehr interessant, wie die Fischer ihre Ausleger einklappen und die Netze an Bord holen.

Schließlich erreichen wir die Schleuse von Lauwersoog. Wir sind als erstes Schiff vor Ort, aber als die Schleuse öffnet, rasen andere an uns vorbei in die Schleuse. Wir passen schließlich auch noch gerade mit in die Schleusenkammer. Die Schleusung klappt ohne Probleme und wir bekommen sogar noch einen Liegplatz im Yachthafen Noordergat.

Suchbild: Wo ist Ariadne im Hafen von Noordergat?

Nach dieser Nachtfahrt gibt es einen Ruhetag - schließlich sind wir nicht auf der Flucht. Am nächsten Tag machen wir einen Rundgang durch den Nationalpark vor Ort und den Fischereihafen.

14.07.18 ZWISCHEN LAUWERSOOG UND DOKKUM

Wir wollen jetzt erst einmal ein Stück Staande Mastroute fahren. Die Windrichtung hätte zwar für Schottland gepasst, aber erstens haben wir nicht die passenden Seekarten dabei und zweitens möchte ich nicht schon wieder eine Nachtfahrt.

Nachdem wir aus der Schleuse heraus waren, (es gab noch etwas Stress, weil in der Schleusenausfahrt plötzlich ein kleines Mororboot quer davor lag), konnten wir - nur unter Vorsegel - langsam mit ca. 3 Knoten durch das glatte Wasser gleiten - sehr entspannend.

Da wir vor dem Wind fuhren, mussten wir mehrmals halsen. Irgendwann ging nichts mehr, wir steckten im Schlamm und das mitten im Fahrwasser. Während wir versuchten mit Hilfe des Motors wieder frei zu kommen, kam von hinten ein holländischer Segler auf und erklärte uns, dass die grünen Tonnen bei einem Meter stehen. (Wir haben 2 Meter Tiefgang.) Nach einigen Versuchen kamen wir wieder ins tiefere Wasser.

Als wir vor vier Jahren diese Strecke schon einmal gefahren sind, hatten wir immer Probleme, Liegeplätze zu finden. Insgesamt ist die Strecke nicht sehr tief und die Häfen erst recht nicht. Deshalb will ich gern rechtzeitig, sozusagen am Wegesrand, einen Liegeplatz suchen.

Wir finden ein nettes Plätzen in Lee und in der Sonne. Die letzten Tage waren nicht besonders warm gewesen, deshalb ist es schön, nun die kurze Hose wieder raus zu holen.

Wir liegen mit 3 anderen Schiffen auf diesem abgelegenen Liegeplatz. Ab und zu kommen andere Boote oder Radfahrer vorbei und abends wird es total ruhig. Wir genießen den Abend mit einem Schluck Rotwein im Cockpit.

Am nächsten Morgen etwas Seerauch auf dem Wasser.

Ich kann einen Reiher bei der Jagd beobachten.

15.07.18 LEEUWARDEN

Wir fahren in engen Kanälen durch die "Vorgärten" der Niederländer.

Leeuwarden erreichen wir am frühen Nachmittag. Als wir vor vier Jahren auf dem Weg nach Hause durchfuhren, war der Ort voll mit Booten in Zweier-Päckchen belegt. Dieses Mal haben wir Glück und wir finden einen Liegeplatz. Die Herausforderung ist allerdings, nicht mit den Masten in den Bäumen hängen zu bleiben.

Es ist Wochenende und ganz Holland verbringt bei diesem schönen Wetter die Zeit auf einem - wie auch immer gearteten - schwimmendem Untersatz. Es ist ein Lärm, wie in einem Schwimmbad, denn zwischen den Booten gibt es auch Schwimmer, die von irgendwelchen Dalben oder Booten ins Wassr springen.

Wir laufen ein wenig durch die Stadt und finden diesen Käseladen.

16.07.18 LEMMER

Relativ spät  erreichen wir Lemmer, machen am Anmeldesteg vom Hafen Islamar fest und bekommen einen Liegeplatz zugewiesen. Der Liegeplatz ist etwas kurz, aber wir quetschen uns hinein.

Der Hafen ist an ein Hotel angeschlossen und "fest in deutscher Hand". Auf dem Parkplatz gibt es nur deutsche Autokennzeichen. Nach drei Tagen ohne Sanitärräume (und das bei der Hitze) stehe ich nun endlich überglücklich unter einer Dusche - super!

Am nächsten Morgen entschließe ich mich, einen Wäschewaschtag einzulegen und Klaus will den ersten Ölwechsel am neuen Motor erledigen. Und dann nahm das Unglück seinen Lauf ...

Der Ölwechsel dauert bis Mittags und dann soll nur noch kurz der Ölfilter gewechselt werden. Der weigert sich aber und das vehement. Ein Gurtabzieher und sogar die Wasserpumpenzange kommen zum EInsatz - ohne Erfolg. Es muss ein anderer Abzieher gefunden werden. Wir laufen in die Altstadt und finden einen Bootsaustrüster, der uns zwar keinen Abzieher verkaufen kann uns aber einen als Leihgabe zur Verfügung stellt, nachdem wir 50 Euro als Pfand dagelassen hatten.

Klaus geht zurück zum Boot um die Leihgabe am Ölfilter zu probieren und ich weiter in die Stadt um Lebensmittel zu kaufen. Bei meinem Weg durch die Einkaufszone finde ich noch einen Bootszubehörladen. Dieser hat tatsächlich einen Abzieher für Olfilter, der einen vertrauenserweckenden Eindruck macht, also schnell gekauft und zurück zum Boot.

Dort versucht Klaus immer noch verzweifelt, den Filter zu lösen. Dabei hat er sich inzwischen die Hand aufgeschlagen, weil er abgerutscht ist und auch der Mittelfinger sieht blau gequetscht aus. Nach einigen Versuchen mit dem neuen Abzieher bewegt sich der Ölfilter endlich. Ich bringe also die Leihgabe wieder zurück, gehe weiter zum Supermarkt und erstehe holländisches Bier.

Meine Fitnessuhr hat meine Strecken mitgeplottet. Ich bin wegen des Abziehers mehr als 10 Kilometer gelaufen.

Abends im Cockpit "lecken" wir unsere Wunden. Das ist Urlaub!

Die Stare trainieren schon für den "Abflug".

18.07.18 - ENKHUIZEN

Am frühen Nachmittag erreichen wir Enkhuizen. Wir fahren zur Anmeldung im Compagnieshaven und bekommen einen netten Liegeplatz zugewiesen.

Wir machen einen Spaziergang durch die schöne Altstadt.

20.07.18 AMSTERDAM

Vor vier Jahren hatten wir Amsterdam nur bei unsere Nachfahrt sehen können, nun wollen wir die Stadt bei Tage kennen lernen. Wir legen früh ab und gehen durch die Schleuse ins Markermeer.

Es ist sonnig und warm wir fahren vor dem Wind, nur unter Genoa. Kurz vor Amsterdam noch eine Schleuse und dann fahren wir zur Citymarina Amsterdam. Ich hatte schon vorher vergeblich per E-Mail und Telefon versucht einen Liegeplatz zu bekommen. Also fahren wir in den Hafen und machten an einem Schlängel vor Kopf fest. Der Weg zum Hafenmeister ist nicht ausgeschildert und so dauert es, bis ich das Office gefunden habe. Ich bezahle für 2 Nächte und erhalte den Liegpelatz H7. Wir nehmen Kurs auf den Liegeplatz und sehen, wie gerade ein anderes Boot dort festmacht. Auf mein Rufen erklären sie mir, dass sie den Platz H8 bekommen hätten. Dort liegt aber schon ein Boot. Sie helfen uns, auf Platz H9 festzumachen. Etwas angesäuert mache ich mich auf dem Weg zum Hafenmeister, in der Hoffnung, dass wir auf dem Platz auch 2 Tage bleiben können. Nein, wir müssen uns auf H1 verholen. Die Crew von H7 hilft uns wieder beim Festmachen.

Klaus benötigt einen Sektkorken, um eine scharfe Kante "unschädlich" zu machen. Kein Problem, dann machen wir nach dem Abendessen einen Sekt auf.

Ich wache früh auf und kann einem Reiher mitten im Hafen von Amsterdamm zuschauen.

Später lernen wir die Sanitäreinrichtungen kennen - nur vom Feinsten!

Das Brot ist alle und ich suche einen Bäcker. Da der Hafen in einem Industrieviertel liegt, ist es nicht ganz einfach, aber ich gebe nicht auf. Nach dem ausgedehnten Morgenspaziergang kann ich frische Brötchen vorweisen.

Nun soll es in die City von Amsterdam gehen. Wir setzen mit einer Fähre über den Noordzeekanaal zum Hauptbahnhof über und stürzen uns ins Gewühl.

Als erstes fallen mir die Fahrradständer ins Auge.

Und dann diese Eis Sorte.

Amsterdam ist eine lebende , quirlige internationale Stadt. Ein großer Teil spielt sich auf dem Wasser ab.

22.07.18 SCHEVENINGEN

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr und kurz vor 6:00 Uhr legen wir ab. Der Hafen ist quasi noch im Tiefschlaf. Wir fahren den Noordzeekanaal Richtung Ijmuiden. Die Sonne geht auf. Außer uns sind nur ein paar Berufsschiffer unterwegs.

Gegen 8:00 Uhr haben wir die Schleusen erreicht - aber welche ist für uns die richtige? Da meldet sich Traffic Control über Funk und weist uns die richtige an. Kurz nach 8:00 Uhr sind wir auf der Nordsee.

Wir beginnen Segel zu setzen aber es wird schnell klar, das der Wind nicht zum Segeln reicht, also fahren wir Motorboot bis Scheweningen. Zu Anfang habe wir den Strom mit uns aber bald gegen uns.

Scheveningen hat einen großen Hafen mit Vorhafen. Leider finden wir im eigentlichen Yachthafen keinen Platz und liegen im Hafenbecken daneben und bald auch im Päckchen.

An den Tagen vorher hatte eine große Regatta stattgefunden und wir können noch von einem Baustromverteiler profitieren, der allerdings am nächsten Morgen abgebaut wird.

Sanitäreinrichtungen gibt es in diesem Hafenteil nicht, erfahren wir vom Hafenmeister, den wir nach einem längeren Fußweg gefunden haben.

Am nächsten Morgen:

Ich brauche eine Dusche, die ich nach 20 Minuten Fußmarsch auch erreiche. Vorher hatte Klaus die Idee, die Fahrräder auszupacken, damit es schneller geht. Dummerweise haben beide Fahrräder Plattfuß (Wir haben sie lange nicht benutzt.) Leider stellt sich dann noch heraus, dass wir die Luftpumpe fürs Fahrrad zu Hause gelassen haben . Shit happens!

Wir haben Glück, denn ein Baumarkt ist in der Nähe und Klaus ersteht eine Luftpumpe. Nach dem Mittag werden die Räder klar gemacht und meine erster Ausflug per Fahrrad in Holland beginnt. Die Radweg sehen wesentlich besser aus als in Deutschland Es gibt breite Wege mit Mittelstreifen, Abbiegespur, Kreisverkehr und Ampeln nur für Fahrräder. Wir sind mit unseren alten Klapprädern eher langsam und werden ständig überholt. Dazwischen gibt es auch noch Autos und Straßenbahnen. Manchmal bin ich leicht überfordert. Wir fahren bis Den Haag in die Innenstadt.

Hier sieht es etwas anders aus als in Amsterdam, alle mehr Business like. Wir fahren an mehreren Botschaften vorbei und in die Fußgängerzone. Daran schließt sich Chinatown an.

Auch für den nächsten Tag wird fast kein Wind angesagt. Wir wollen nach Zeebrügge. Das sind ungefähr 60 Seemeilen. Wir haben keine Lust auf Motorboot fahren. Also beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben. Es gibt leider keinen Strom und kein Internet an unserem Liegeplatz, aber es geht auch ohne.

Klaus möchte mit dem Fahrrad nach Den Haag ins Museum, ich habe mehr Lust auf Faulenzen. Also trennen sich unsere Wege. Klaus radelt los und ich mache mir erst mal einen Kaffee und plane meinen Nachmittag. Plötzlich klopft es am Boot, es ist der Hafenmeister. Der Steg muss geräumt werden. Bis 16:00 Uhr müssen alle Schiffe weg sein. Die Crew von dem Nachbarboot, das an uns festgemacht hat, ist auch nach Den Haag. Kein Problem meint der Hafenmeister, das wird abgeschleppt.

Gut, dass Klaus sein Handy mitgenommen hat, aber er geht erst nach dem 5. Anruf ran. Ich bin schon leicht in Panik. Allein kann ich das Boot nicht in den anderen Hafen bringen.

Klaus radelt wieder zum Boot zurück. Vorsichtig ziehen wir unseren Nachbarn an den frei gewordenen Steg und dann bekommen wir einen Platz im Clubhafen mit Strom und Internet. Wir können sogar unseren Wassertank an Bord wieder auffüllen, welch ein Luxus. Nur unsere Tagesplanung war eigentlich eine ganz andere.

25.07.18 ROOMPOT MARINA

Unser Bootsnachbar in Scheveningen hatte uns die Marina empfohlen, wenn wir nicht so eine lange Strecke unter Motor fahren wollen.

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr. 5:45 Uhr legen wir ab, holen uns die Freigabe, den Hafenteil zu verlassen über Funk ein und fahren unter Motor bei glatten Wasser Richtung Süden. Es gab viel zu sehen: springende Fische, strampelnde Krebse, Tümmler und Seehunde. Einer war sehr neugierig.

Wie erreichen die Roompot-Schleuse, machen kurz am Warteschlengel fest und können dann in die Schleuse. Dort treffen wir wieder auf unseren Nachbarn aus Scheveningen - die Welt ist klein.

Wir fahren Richtung Hafen und hoffen, dass die Zufahrt tatsächlich tief genug ist. Auf unserer Karte steht 1,80 m - das wäre für uns zu wenig. Es reicht und wir können am Anmeldeschlengel festmachen. Dort gibt es einen Hinweis auf ein Telefon zum Hafenmeister. Ich finde es, habe aber leider kein Fotoapparat dabei, denn dieser Apparat ist ein Museumsstück. Aber mit diesem Oldtimer erreiche ich den Hafenmeister, der uns einen Liegeplatz in einer der hinteren Ecken des Hafens anweist.

Festmachen können wir Gott sei Dank mit der Hilfe des Liegplatznachbarn. Es strömt uns nämlich heftig vom Schlengel weg.

Es ist sehr warm und kein Wind geht und einige baden in diesem Hafenteil. Das mache ich jetzt auch. Mein erstes Bad in dieser Saison. Ich hatte mir das Wasser zwar wärmer vorgestellt, aber es ist super. Zum Abduschen benutze ich den Schlauch auf dem Steg. Hier ist das Wasser wärmer.

26.07.18 ZEEBRÜGGE

Um 5:00 Uhr legen wir in der Roompot Marina ab und sind um 6:00 Uhr an der Schleuse. Es ist so gut wie kein Wind und auch morgens schon sehr warm. Als später etwas Wind aufkommt setzen wir Segel, kommen aber nur langsam voran. Deshalb reicht es nur für Zeebrügge, denn sonst haben wir die Tide gegenan.

Um 12:00 Uhr legen wir an, es ist wohl der gleiche Liegeplatz wie vor 4 Jahren.

Der Liegeplatz ist in der Nähe von Hafenmeister, Sanitäranlagen und Waschmaschine. Ich beschließe einen Waschtag einzulegen (nicht nur für die Wäsche).

Bei Klaus gibt es einen Fenderwaschtag. Die Fender haben auf der Tour, insbesondere in den Schleusen, sehr gelitten. Mit Bürste, Kraft und Scheuermilch werden sie wieder einigermaßen ansehnlich.

Leider müssen wir unsere Vorräte an frischen Lebensmitteln unbedingt auffüllen. Also machen wir uns in brütender Hitze auf den Weg zu einem Supermarkt, den mir die Hafenmeisterin erklärt hatte. "That is a Spor" hatte sie gesagt. Es entpuppte sich als kleiner Sparladen. Es gab nicht mal mehr frisches Brot.

Die Gegend um den Hafen herum hat bestimmt schon mal bessere Zeiten gehabt. Viele Wohnungen und Geschäfte stehen zum Verkauf. Es ist etwas trostlos.

27.07.18 NIEUWPOORT

Wir verlassen bei Sonnenaufgang den Hafen von Zeebrügge.

Kurz hinter der Hafenausfahrt können wir Segel setzen. Es ist wenig Wind und keine Welle. Wir fahren um die 4 Knoten, total entspannend ...

Dann haben wir die Idee, dass wir unter so einfachen Segelbedingungen jetzt endlich unsere Windsteueranlage das erste Mal ausprobieren könnten. Klaus baut die Windfahne an und hängt das Hilfsruder ins Wasser. Das Ruderrad wird festgestellt und dann...Oh wie ist das spannend ...

Wir bleiben auf Kurs - und das Teil steuert viel besser als ich - super!

Wir bewegen uns in einem Tidengewässer. Hier der Versuch, den Unterschied von Hoch- und Niedrigwasser zu demonstrieren. Ich habe versucht, an der gleichen Stelle im Hafen die Kaimauer zu fotografieren.